Jedermann - Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes
von Hugo von Hofmansthal.
Einen guten Eindruck über den Inhalt des Stückes liefert auch dieser Bericht über die Jedermann Aufführung in Stuttgart:
www.szon.de/jedermannDie Waldbühne spielt das Stück in der klassischen Variante, des 19. Jahrhunderts.
Inhaltsangabe: ->
Direkt zur Kartenbestellung springenEigentlich könnte der steinreiche Jedermann soetwas wie der Vorläufer der heute so oft kritisierten und vielgescholtenen Raubtierkapitalisten sein. Ihm geht es gut, er hat Geld, er hat Macht, er ist allzeit gesellig und ein Lebemann wie er im Buche steht. Einen armen, bettelnden Nachbarn speist er ab:
"Wär' all mein Geld und Gut gezählt
und ausgeteilt auf jeden Christ,
der Almosen bedürftig ist,
es käm'', mein Seel', nit mehr auf dich
als dieser Schilling sicherlich"
Ungerührt sieht er zu, wie ein seinetwegen verschuldeter Familienvater in den Schuldturm geworfen wird:
"Wer hieß dich, Geld auf Zinsen nehmen?
Jetzt hast du den gerechten Lohn!"
Selbst seiner eigenen Mutter, die ihn unablässig auf den rechten Weg zu bringen sucht, schenkt er kein Gehör und findet Ausflucht um Ausflucht, um die ständigen Ermahnungen nicht anhören zu müssen.
Inmitten eines fröhlichen Gelages mit seinem 'guten Gesellen' (heute würde man sagen: seinem besten Kumpel) und der bezaubernden 'Buhlschaft' (neudeutsch wäre das wohl eine Geliebte) befallen Jedermann aber düstere Vorahnungen: Während alle fröhlich singen, hört er dumpfes Glockenläuten und auf einmal schallen aus allen vier Himmelsrichtungen mahnenden Rufe: "Jedermann!" - "Jedermann" - "Jedermann"...
Das Licht wird trübe und Jedermann nimmt war, dass sich Unheil nähert:
"Nun aber, sag um Gott, mein Lieb,
was brennen die Lichter also trüb?
Und wer tritt hinter mir heran?
Auf Erden schreitet so kein Mann!"
Nein, auf Erden schreitet so wahrhaftig keiner, denn der ungebetene Gast ist Gottes mächtigster Bote: Der Tod. Jedermanns Zeit ist gekommen, vor seinen Schöpfer und höchsten Richter zu treten:
"Abrechnung will er halten mit dir. Unverweilt!"
Jedermann fleht und bettelt und erhält schließlich eine Stunde Zeit, sich einen Begleiter zu suchen, der mit ihm vor das himmlische Gericht tritt und ihm hilft, seine Sache zu vertreten.
Er fleht seinen guten Gesellen an, mit ihm zu kommen, versucht seine beiden Vettern zu überzeugen und will schließlich sogar seine Geliebte mit auf den letzten Weg nehmen - doch alle haben verständlicherweise wenig für diese Idee übrig und wollen lieber noch ein wenig unter den Lebenden verweilen. Verlassen von den Menschen, möchte der Todgeweihte schließlich seine Geldtruhe mit ins Jenseits nehmen, seinen Schatz - der Truhe jedoch entsteigt Mammon, die Personifizierung des Geldes, und verhöhnt ihn!
"Ich steh' gar groß, du zwergisch klein.
Du Kleiner wirst wohl sein der Knecht.
Und dünkt's dich, anders wär's gewesen,
das war ein Trug und Narrenwesen!"
Als schon alles verloren scheint, erhebt sich plötzlich die schwache Stimme einer kranken Frau: Werke, die Verkörperung von Jedermanns guten Taten. Zu schwach zum Laufen, ruft sie ihre stärkere Schwester, Glaube, herbei. Jedermann tritt mit beiden in Zwiesprache, bereut sein sündiges Leben und beginnt schließlich zu beten. So hat der Teufel, der sich Jedermanns schwarzer Seele schon sicher war, keine Chance mehr - und Jedermann geht geläutert in den Tod.
Hugo von Hofmannsthals populärstes Werk „Jedermann“ ist eine an das mittelalterliche Mysterienspiel angelehnte Parabel über Leben und Tod, Materialismus und Läuterung.
Uraufgeführt 1911 in Berlin unter der Regie von Max Reinhardt ist „das Spiel vom Sterben des reichen Mannes“ bis heute weltberühmt, vor allem wegen der alljährlichen Aufführung bei den Salzburger Festspielen. Dort sind die Karten meist Jahre im Voraus vergriffen.
Erleben Sie dieses dramatische Stück im Sommer 2009 auf der Waldbühne in Sigmaringendorf!